Andacht zu Karfreitag

von unserem Vikar Sascha Ebner

Trinitarischer Gruß
Im Namen Gottes – des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
 
Wochenspruch (Joh 3,16)
"Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."
 
Wochenlied (EG 85)
O Haupt voll Blut und Wunden
 
Predigttext (2Kor 5,19-21)
Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
 
Auslegung
„Es ist vollbracht.“ Diese Worte sprach Jesus von Nazareth, wenn man dem Bericht des Evangelisten Johannes Glauben schenkt, unmittelbar vor seinem Tod. Nach stundenlanger Qual war es für ihn eine Erlösung, in das Reich seines Vaters im Himmel zurückkehren zu dürfen. Sein Auftrag auf Erden war erfüllt; sein Leiden am Kreuz war beendet.

Der Apostel Paulus denkt einige Jahre nach Jesu Tod darüber nach, welche Bedeutung das grausame Sterben des Mannes aus Nazareth für dessen Nachfolgerinnen und Nachfolger hat.

„Gott war in Christus“, schreibt er seiner Gemeinde in Korinth. Fürwahr: In Jesus von Nazareth ist Gott Mensch geworden. In Jesu Reden und Handeln zeigte sich das Antlitz Gottes. In seinem Leben und Sterben teilte er die Gedanken und Gefühle seiner Mitmenschen.

Jesus kannte die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens: Momente des Erfolgs und des Glücks – aber eben auch Augenblicke der Trauer und des unendlichen Leids. Der Gott, an den wir Christinnen und Christen glauben, war in Jesus von Nazareth wirklich einer von uns.
Jesu Tod am Kreuz war kein notwendiges Opfer, um Gottes Zorn über die Sünden seiner Geschöpfe zu besänftigen. Dieser Gedanke, der in der Kirche lange Zeit vertreten worden ist, geht am Kern unseres christlichen Gottesbildes vorbei. Ein liebender, barmherziger Vater bedarf keines blutigen Opfers, um den Menschen ihre Sünden vergeben zu können.
 
Der Tod Jesu Christi am Kreuz zeigt uns vielmehr: Gott ist gewillt, uns nahe zu sein. Er zeigt sich solidarisch mit denjenigen, die von anderen zu Opfern gemacht werden. Er leidet mit den Leidenden. Er wendet sich uns zu, um uns auf unserem Lebensweg zu begleiten. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“, heißt es im Johannesevangelium. In diesem Sinne mahnt der Apostel Paulus seine Gemeindeglieder in Korinth und alle Christenmenschen über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg: „So bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“
 
Gebet
Guter Gott, an Karfreitag halten wir inne, um uns an das Leiden und Sterben deines Sohnes Jesus Christus zu erinnern. Sein Tod führt uns besonders deutlich vor Augen, dass alle Menschen gebrechlich, verletzlich und sterblich sind. Deshalb bitten wir dich: Steh all denen bei, die deine Hilfe am meisten benötigen!

Wir bitten dich für alle, die körperliche oder seelische Qualen erdulden müssen: Schenke ihnen Kraft und Hoffnung, damit sie nicht aufgeben!

Wir bitten dich für alle, die einsam sind und sich von ihren Mitmenschen im Stich gelassen fühlen: Schenke ihnen Selbstbewusstsein und zeige ihnen einen Weg aus ihrer Verlassenheit!

Wir bitten dich für alle, deren Weg hier auf Erden zu Ende geht: Schenke ihnen Vertrauen auf deine Liebe und Güte, sodass sie mit der Welt versöhnt in dein ewiges Reich eingehen können!

Im Vertrauen darauf, dass Jesus Christus unser Bruder ist und uns durch die Höhen und Tiefen unseres Lebens begleitet, wollen wir unser Leben getrost in seine Hände legen.  Amen.

Vaterunser

Segen
Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.