Gründonnerstag

Gedanken von Pfarrerin Schwarz-Wohlleben

Ich zünde eine Kerze an

Im Namen Gottes + des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes weiß ich mich verbunden mit den Menschen, die wie ich zuhause sind. Gebet Am Ende dieses langen Tages

lege ich alles aus der Hand:
das Handy oder Telefon,
den Schlüssel, das Laptop
und die Uhr –
Am Ende dieses langen Tages
lege ich auf dich Gott
Ängste, Sorgen, Mühen,
Lust, Trauer, Sehnsucht
und meine Schuld.
Am Ende dieses langen Tages
suche ich Ruhe und Geborgenheit bei dir Gott.
Verbinde du mich im Geist mit Brüdern und Schwestern.
Lass mich bei dir sein und bleiben;
und lass es Feierabend werden,

das bitten wir durch Jesus Christus. Amen

Lesung:

Gedanken zum Gründonnerstag

Abschied nehmen fällt Menschen unterschiedlich leicht oder schwer.

Manchmal geht mir ein Abschied näher als mir lieb ist, und dann macht es mir Mühe mich gelungen zu verabschieden. Begebenheiten fallen mir ein aus meinem Leben:

Am Bahnhof, von meiner Familie, im Krankenhaus, von Freunden nach schönen gemeinsamen Tagen, von einem Ort, an dem wir gerne gelebt haben, und ich gerne gearbeitet habe.
Je näher der Abschied kam, umso schwieriger wurde es, mir vorzustellen, alle Zelte abzubrechen, Menschen zurückzulassen, mit denen ich ein Stück des Weges unterwegs war.

Ein Freund kommt mir in den Sinn, der bei jedem Fest, jeder Veranstaltung oder Sitzung irgendwann einfach verschwand, ohne etwas zu sagen.
Abschied nehmen im Kleinen wie im Großen war für ihn ein schwieriges Thema.

Menschen begehen die kleinen und großen Abschiede unterschiedlich.

Bei manchen muss es schnell gehen. Bei anderen dauert es.
Da braucht es schüttelnde Hände, Umarmungen, Winken und Weinen.
Manche zelebrieren ihren Abschied. Sie feiern ein Fest, essen und trinken zusammen, erzählen, lachen und weinen.
Das ist zur Zeit alles gar nicht möglich. Wir können einander nicht besuchen. Wir können nicht zusammen feiern wie geplant. Wir können nicht wegfahren, nicht umziehen, nicht in den Kindergarten gehen, nicht in die Schule, manche nicht mal zur Arbeit.
Schon der morgendliche Abschied fällt aus. Allenfalls verabschieden wir uns zur Zeit am Telefon: hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Bleib gesund.
Am Gründonnerstag geht es um den Abschied Jesu von seinen Freunden. Jesus ist keiner, der sich klammheimlich davonstiehlt. Jesus hat sich und die Seinen auf den Abschied eingestellt.

Mit geradezu zärtlichen Gesten verabschiedet sich Jesus von seinen Freunden.
Er wäscht ihnen die Füße. Das ist eine der seltensten, intimsten und zärtlichsten Gesten überhaupt. Man muss sie sich gefallen lassen können.

Jesus verabschiedet sich mit Fest und Feiern, mit einem gemeinsamen Essen wie sie es sooft zusammen erlebt hatten.
Er verabschiedet sich. Er teilt mit den Freunden Brot und Wein und stärkt die Seinen für die Zeit, die kommen wird. Er gibt ihnen ein Zeichen, eine Hilfe an die Hand, wie sie ohne seine leibhaftige Gegenwart zurechtkommen, wie sie leben können.

Jesus feiert seinen Abschied bewußt. Ein letztes Mahl und ohne dass irgendetwas zwischen ihnen stehen bleibt.
Er versöhnt sich mit den Seinen und schenkt ihnen zum Abschied sich selbst.

EG 228, 1+3

Er ist das Brot, er ist der Wein Er ist das Brot, er ist der Wein, steht auf und esst, der Weg ist weit. Er ist das Brot, er ist der Wein, steht auf und geht, die Hoffnung wächst. Es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein.

Gebet

Gott, du sorgst für uns.

Trotz allem Hunger
werden wir satt
Wir danken dir,
dass unser Leben kein Irrweg,
sondern eine Heimkehr ist.
Wir bitten dich,
schenke allen Menschen

Nahrung, Wärme, Zukunft und ein Zuhause.
Lass dich spüren bei den Einsamen,
zeig dich an der Seite der Kranken und
sei mit den Sterbenden.

Lass dein Licht aufleuchten in unserem Leben
und stehe uns bei,
wie du Jesus beigestanden bist. Amen

Wir gehen mit Gottes Segen und im Geist miteinander verbunden in die Nacht:
 
Gott segne und behüte uns
Gott schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.
Gott, lass dein Angesicht leuchten über uns,
dass wir leuchten für andere.
Gott erhebe dein Angesicht auf uns und halte uns fest im Glauben, dass das Leben lebendiger ist als der Tod. (von Hanne Köhler)

EG 700 Taizé

Bleibet hier und wachet mit mir. Wachet und betet, wachet und betet. Bleibet hier und wachet mit mir. Wachet und betet, wachet und betet.