Saure Wochen, frohe Feste!

Misericordias Domini - 26. April 2020

von unserem Dekan Stefan Kirchberger

Wochenspruch
"Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben." 
Joh 10,11a.27–28a

Wochenlied: EG 274 - Der Herr ist mein getreuer Hirt

Evangelium

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,
13 denn er ist ein Mietling und kümmertsich nicht um die Schafe.
14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Johannes, 10, 11-16

Bild © Kirchenjahr evangelisch

Saure Wochen, frohe Feste!
 
„Arm am Beutel, krank am Herzen, schleppt ich meine langen Tage.“ So beginnt das Gedicht Der Schatzgräber von J.W. von Goethe. Corona macht uns arm am Beutel, krank am Herzen, die Tage schleppen sich. Krank sind infizierte Menschen, aber nicht nur sie. Krank ist ein Grundschulkind ohne Kindergeburtstag. Krank am Herzen eine Christin ohne Gottesdienst, ein Sohn ohne Besuch seiner Mutter im Seniorenheim. Krank am Herzen sind alle, denen herzliche Umarmungen und Begegnungen fehlen.

Arm am Beutel sowieso: Soloselbständige, freischaffende Musikerinnen, Gastwirte, Angestellte in Kurzarbeit.

Kein Zauberspruch, keine magische Handlung holen uns da heraus. Stattdessen: Nüchterne Abwägungen in Corona-Kabinetten und Leitungsrunden. Tatkräftiges Handeln als Manger: Wie organisiert man Abstand am Band? Wie teilen wir Kindergartengruppen und Sanitärräume auf? Findet Schulunterricht in Schichtarbeit statt? Eine Hälfte am Vormittag, die andere nachmittags?

Wie feiern wir Gottesdienst? So überflüssig die Pandemie ist: Dieser Aufgabe stelle ich mich gerne. Christlicher Glaube ist nicht nur innere Überzeugung, sondern gelebte Praxis. Wir spüren jetzt, was fehlt, wenn wir nicht dürfen, was selbstverständlich war, Etlichen verzichtbar erschien. Öffentliches Singen, Feiern, Beten. Gemeinsames Bekennen, Brot und Wein schmecken im Kreis bekannter und unbekannter Menschen. Es bleibt einfach wahnsinnig viel auf der Strecke, wenn wir nicht taufen, nicht trauen, nicht feiern. Gottesdienste sind Zeiten guter Gemeinschaft.

„Saure Wochen, frohe Feste! Sei dein künftig Zauberwort.“ So endet Goethes Gedicht.

Frohe Feste! Sie sind herzlich eingeladen mit zu feiern: Die ersten Gottesdienste nach der Abstinenz. Frohe Feste machen saure Wochen erträglich. Frohe Feste sind süße Belohnungen in sauren Tagen, sie schenken Kraft, die Krise zu meistern. Es ist Zeit, neu auf den Geschmack zu kommen, neu zu schmecken, wie köstlich es auf der Zunge zergeht, wenn wir feiern und danken oder singen und verkündigen.

Dazu lädt uns der Dichter ein. Nicht Goethe. Ein anderer, ohne Namen, Dichter eines Zauberworts im 92. Psalm:

„Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen.“

Gebet

Auf dem Weg, Gott, durch die Zeit fragen wir immer wieder:
Wohin willst du uns führen? Bist du noch bei uns?

Auf sicheren Pfaden, auf Abwegen und in Irrungen, auf festen Straßen oder ins Ungewisse, an Kreuzungen und Gabelungen gehst du mit uns.
Alle unsere Wege sind beschrieben in deinem ewigen Gedächtnis.

So vertrauen wir uns dir an und bitten dich für alle, die ein Ziel anvisieren, die den schnellsten Weg suchen, die vorwärts wollen, für Politiker und Mächtige und Unternehmer – dass sie danach schauen, was allen und dem Leben dient. Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die schmerzlich auf dem Rückzug sind, die ihre Zukunftsperspektiven verloren haben, die am Sinn ihrer Wege zweifeln, die Abschied nehmen müssen – dass sie dir vertrauen können. Wir rufen: 

Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die nicht mehr weiter wissen, die auf der Flucht sind, die enttäuscht sind auf der Jagd nach Träumen, die ihren eigenen inneren Richtungssinn verloren haben – dass sie dich spüren. Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die in den Kirchen Verantwortung tragen, für alle, die täglich nach Wegen suchen, glaubwürdig als Christen zu leben und von dir zu erzählen – dass sie dein Geist stärkt. Wir rufen:

Herr, erbarme dich.

Auf dem Weg, Gott, durch die Zeit fragen wir immer wieder:
Wohin willst du uns führen? Bist du noch bei uns? 

Du führest uns auf rechter Straße um deines Namens willen. Du verwandelst deine Wege, die du mit uns vorhast, zu unseren eigenen Wegen ins Leben.
So preisen wir dich heute und jeden Tag und in jedem Schritt.

Vater unser im Himmel

Segen

Der Gott allen Trostes und aller Verheißung, segne und behüte dich.
Er begleite dich mit seiner unerschöpflichen Liebe.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Seine Güte schafft neues Leben.
Gott wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.
Schutz und Schirm vor allem Bösen.
Stärke und Hilfe zu allem Guten.
Sei gesegnet! Geh in Frieden!