Sonntag Quasimodogeniti - “wie die neugeborenen Kindlein“ 19. April 2020

von Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben

Ich zünde eine Kerze an.
Im Namen Gottes, + des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes weiß ich mich verbunden mit den Menschen, die wie ich zuhause sind.

Gebet

Guter Gott, sei du jetzt bei allen, die sich miteinander im Gebet verbinden. Lass dich spüren im Hören auf dein Wort, du willst Licht und Trost sein auf unserem Weg durch diese schwierigen Zeiten, darauf vertrauen wir durch Jesus Christus. Amen  

Evangelium: Johannes 20, 19.20.24-31

Gott ist ein Gott, der Leben will

Lied EG 511:
Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt.
Weißt du, wie viel Wolken gehen
weit hin über alle Welt.
Gott, der Herr hat sie gezählet,
dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl.

Ein Lied aus Kindertagen. Vielleicht haben Sie selbst Ihre Kinder damit in den Schlaf gesungen. Es erzählt von Gott, dem Schöpfer, der Mutter und Vater ist. Gott, der den Sternenhimmel über uns aufspannt und Geborgenheit und Frieden schenkt.
ER kennt auch dich und hat dich lieb.

Und doch fragt sich mancher in diesen Tagen, wo ein Virus die Welt zum Stillstand bringt: Wo ist eigentlich dieser Gott? Ist er auf Abstand gegangen?
Hat er uns vergessen?
Eine Frage, die sich seit Generationen wiederholt. Eine Frage, die auch schon das Volk Israel beschäftigt hat im Exil .
Die Menschen sehen Gott nicht mehr am Werk. Sie spüren ihn nicht mehr. So, wie im Moment Menschen das Gefühl haben, Gott hätte die Erde und seine Menschen vergessen.
Und mitten in dieser Welt erklingt das Lied des Propheten aus Jesaja 40, 26-31.
Es erinnert sie an die Zuwendung Gottes.

Der Herr, der ewige Gott,
der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen.
Aber die
auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.


Fliegen können - einfach abheben, auf und davon, über allem ruhig schweben. Elend und Not, Krankheit und Tod, das Virus hinter sich lassen. Heraus aus der Enge und Unfreiheit, die sich aus den Ausgangsbeschränkungen ergeben. Wie gut, wenn man noch solche Hoffnungen. Dann hat man wenigstens noch nicht aufgegeben. Und das ist wichtig in solchen Zeiten.

Jugend und Männlichkeit, Herrschaft und Macht mögen in unserer Gesellschaft immer noch zählen, aber Probleme lösen sie auch nicht. Wer sein Leben gelebt und alt geworden ist, wer schon Tod und Trauer gesehen hat, der weiß es besser. Der weiß, dass auch die männlichsten Männer keinen Frieden machen können, nicht mal in Uniform. Der weiß, dass auch Ärzte und Ärztinnen nicht allmächtig sind und Pflegekräfte keine übermenschlichen Kräfte besitzen. Der weiß, dass die Jungen weder Krankheit noch Tod abwenden können. Wer sein Leben gelebt hat, der hat gelernt, worauf es ankommt, was wirklich Bestand hat, was dem Leben Sinn gibt, was bleibt:
Glaube, Hoffnung, Liebe....
Aber manch einem ist es passiert, dass er bei all der Arbeit, über all dem Alltagskram, über die Jahre Gott vergessen hat. Die Verbindung abgerissen ist. Wo soll der nun anknüpfen? 

Wer gute Erfahrungen mit Gott gemacht hat, der kann von Gott erzählen:
Wie ihm Kraft zugewachsen ist in einer schweren Lebenssituation. Wie klar der Kopf geworden ist, nachdem ich Gott meine ganze Wut, meine Verzweiflung vor die Füße geworfen habe.
Wer das Wunder der Schöpfung Gottes in Form seines Babys in Händen halten durfte, der kann eigentlich gar nicht mehr daran zweifeln, das Gott am Werke ist. Aber wir können davon erzählen. Wir können erzählen von Gott, von seiner Kraft: Geschichten aus der Bibel, Geschichten, die das Leben schreibt. Geschichten von Menschen, von Bewahrung. Geschichten, was geholfen hat, die letzten Wochen zu überstehen mit all den Sorgen und Zukunftsängsten.

Wie gut, wenn man jemanden hat wie den Propheten, diesen Boten Gottes, der einem die Augen öffnet für Gott – so wie bei dem Volk Israel im Exil. Der die Seinen ermahnt, in schwieriger Lebenssituation das Gute nicht zu vergessen.
Lobe den Herrn, meine Seele
und vergiss nicht,
was er dir Gutes getan hat.

Was aber erreichen solche Worte bei einem Menschen, der müde und kraftlos, der am Ende ist, dessen Erfahrungen ganz andere sind.
Der sich angesteckt hat, der krank ist, der Angst hat um seine Existenz, der den Alltag in der Enge und Unfreiheit nicht mehr aushält.
Der Prophet versucht es dennoch.
Er öffnet den Menschen die Augen für das, was Gutes wachsen kann in kritischen Zeiten. Er will längst begrabene Hoffnungen wachrufen. Nicht zuletzt die Hoffnung, nicht aufzugeben.
Denn aus der Erinnerung an das, was gut gewesen ist im Leben, kann neues Vertrauen wachsen, Vertrauen, das stark macht, das Kraft gibt, neu anzufangen - mit dem Leben, mit Gott.
Vertraut!
Denn Gott ist ein Gott, der Leben will.
Das hat er dir in der Taufe versprochen.
Durch Jesus Christus, den er aus dem Tod erweckt hat, schenkt er dir neues Leben.
Gelobt sei Gott der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3/ Wochenspruch) Amen

Wochenlied EG 117:
(schwer zu singen , aber schöner Text)

Was euch auch nieder wirft./ Schuld, Krankheit, Flut und Beben - /er, den ihr lieben dürft,/ trug euer Kreuz ins Leben./ Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden,/ so kämpften wir umsonst./ Doch nun ist er erstanden.

Gebet
Gott des Himmels und der Erde,
dein Wort rühre unser Herz an.
Das Leben Jesu Christi nehme unser Leben auf.
Dein Geist bewahre uns und
bewahre die Welt,
bewahre die Kranken und Einsamen und Vergessenen. Amen

Vaterunser

Segen
Gott, sei neben uns
in Licht und Finsternis,
Gott, sei in uns
bei Tag und bei Nacht.
Gott, sei bei uns
im Leben und im Sterben –

Jetzt und allezeit.
+ So geht in Frieden. Amen

Gesegneten Sonntag wünscht
Pfarrerin Schwarz- Wohlleben